Quesenköppe feierten Premiere mit „Watn Dürnanner” / Menschliche Schwächen und Zeitgeist aufs Korn genommen

Mit ihrem neuen Programm „Watn Dürnanner” begeisterten die Quesenköppe bei ihrer Premiere das Publikum im Alten Amtsgericht. Foto: Ulrich Westermann

Von Ulrich Westermann

Petershagen (Wes). Eine gelungene Premiere feierten die Angehörigen der Plattdeutsch-Arbeitsgemeinschaft des Petershäger Gymnasiums im Alten Amtsgericht mit ihrem Kabarettprogramm „Watn Dürnanner” („Was für ein Durcheinander”). Von der ersten Minute an bewiesen die Quesenköppe, wie sich die Schülerinnen und Schüler, einige Ehemalige und Lehrer Otto Kindermann nennen, dass es auch in plattdeutscher Mundart möglich ist, mit Humor, Ironie und Sarkasmus alltägliche Unzulänglichkeiten, menschliche Schwächen und Auswüchse des Zeitgeistes anzuprangern.

Sie hatten sich umgeschaut und umgehört und dabei die Frage gestellt, wer sich in dem dichten Dschungel von Tarifen, Reformen und Verordnungen noch zurechtfinden kann. Das Publikum im voll besetzten Saal des Kulturzentrums war begeistert und belohnte die Sketche, Dialoge und Einzelvorträge mit Szenenbeifall und lang anhaltendem Schlussapplaus.

Schulleiter Friedrich Schepsmeier wies darauf hin, dass die Quesenköppe keine „billigen Witze” präsentierten. „Da is Niveau achtern”, unterstrich Schepsmeier.

Zehn Nachwuchs-Quesenköppe standen zum ersten Mal auf der Bühne und bewiesen, dass sie auf dem besten Weg sind, einmal in die Fußstapfen der alten Plattdeutsch-Kabaretthasen zu treten. Otto Kindermann, der auch durch das Programm führte, hatte sämtliche Texte geschrieben.

Der Auftakt erfolgte mit dem humorvollen Sketch „Dat Lüttkeste”. Dabei ging es um ein Ferkel in einem Kinderwagen.

Einen köstlichen Dialog boten eine Sprechstundenhilfe und eine Patientin zum Thema „Wat konnste di denn leisten?” Themen in dem „Trainingszentrum Gesundheitswesen” waren Praxisgebühr und Schuldenfalle Arztbesuch.

In dem Sketch „Wat maoket wi denn vondaoge?” nahmen die Quesenköppe das Freizeit-Überangebot für die Kinder aufs Korn. Verzwickte zwischenmenschliche Beziehungen wurden in dem Dialog eines Ehepaares „Witt-brot mit Appelbottern” deutlich. Ein Wort ergibt das andere. Durch die Aneinanderkettung von Missverständnissen kommt es schließlich zum Streit.

Viele Bereiche aufs Korn genommen

In dem Gespräch „Wat wütt wi denn schenken?” machten sich zwei Mädchen Gedanken um das Geburtstagsgeschenk für ihren Vater, während der Sketch „Upt Immitsch kummt es an” in die Vorstandsetage eines großen Unternehmens führte.

Das Motto der Firma „Schnell, sicher, kompetent und kundenfreundlich” ist für die Projektleiterin von Bedeutung, nicht aber für den Chef. Für ihn ist das Image entscheidend: „Man muss sich gut verköpen können. Wir brauchen Unternehmensberater. Die Kosten dafür schlagen wir auf die Fahrpreise für die Kunden.”

Auch nach der Pause sorgten die Quesenköppe ihrem Motto entsprechend für ein Dürnanner auf der Bühne. In dem Stück „För jeden das Passige” musste Bahnkundin Lieschen erfahren, dass es gar nicht so einfach ist, mit dem Zug zum Geburtstag von Tante Gerda nach Wilhelmshaven zu fahren. Geradezu abenteuerlich sind für die letztlich genervte Frau die individuellen Angebote durch den Schalterbeamten.

Auch mit dem Regionaltarif Friesland, bei dem es sich um eine Bahnkarte erster Klasse in Verbindung mit einem Helgoland-Besuch handelt, kann sie nichts anfangen.

Schwarzer Humor war in dem Solo vortrag „Upschwung” eines Rettungssanitäters angesagt. Um die Emanzipation des Mannes ging es in dem Stück „Düsse Kerls”. Zu einem Lachschlager entwickelte sich der Programmpunkt „Nu laot mi doch eis”.

Traditionell erschien zum Abschluss die Putzfrau auf der Bildfläche, um Seitenhiebe an die aktuelle Politik zu verteilen und mit einem Augenzwinkern zu drohen: „Wenn ich auch noch meine letzte Putzstelle verliere, gehe ich in die Politik.”