Königin der Elfen bringt Projekt ins Rollen

Logo-MTvom 10.03.2006

 

Wie das Projekt „Sommernachtstraum” in Petershagen entstand: Zeitungstreff-Interview mit Komponist Martin Guth

Von Tine Dammeier und Sarah Young, Gymnasium Petershagen 10d

Petershagen (zt). Die erfolgreiche Premiere von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum” am Gymnasium Petershagen beruht auf der ausdauernden Arbeit von etwa 200 Mitwirkenden. Wie kam es dazu?

Um das herauszufinden, wurde Martin Guth, Komponist der Musik zum Stück und Leiter der Theatermusik-AG, interviewt.

Oberon, Puck und die Blume -wichtiger Bestandteil des Stückes.
Foto: Zeitungstreff

Wer hatte die Idee?

Martin Guth: Wir waren auf der Suche nach einem „klassischen” Theaterstück, das viel Raum nicht nur für die schauspielerische Gestaltung, sondern auch für eine musikalische Bearbeitung lassen sollte. Beides erfüllt der „Sommernachtstraum” auf ideale Weise. Im Gespräch war zwar auch „Romeo und Julia”, was aber eine zu starke Konzentration auf zwei Personen mit sich gebracht hätte. Letztlich war es unsere jetzige „Titania”, Johanna Meyer, die gemeinsam mit mir der Theater-AG das Projekt „Sommernachtraum” vorschlug. – Ich glaube, meine Liebe zu Shakespeare rührt von den vielen guten Aufführungen der „Bremer Shakespeare Company” her, die ja auch in Minden im Stadttheater zu sehen waren.

Wann ist die Idee entstanden?

Vor mehr als einem Jahr. Ich befand mich gerade im Sabbatjahr und suchte noch einer musikalischen „Aufgabe”. Einige Lieder sind so zum Beispiel unter kanarischen Palmen entstanden – ein wenig Fernweh schwingt also in der Musik mit. Aber es dauert sehr lange, bis sich der Vorhang zur Premiere heben kann. Natürlich bleibt immer auch ein wenig Zweifel, ob es nicht etwas zu verwegen ist, sich mit einer musikalischen Bearbeitung an eine so berühmte Vorlage zu wagen. Es sollte immer klargestellt bleiben, dass unsere musikalische Version sich natürlich nicht messen kann und will mit den vielen herausragenden Kompositionen des „Sommernachtstraums”, die es in den vergangenen Jahrhunderten bereits gegeben hat.

Wer wirkt mit? Und wie viele Menschen nehmen am Projekt teil?

Es ist anstrengend und schön zugleich, ein solches Projekt entstehen zu lassen, in seinen Einzelheiten zu planen und dann gemeinsam anzugehen – was natürlich niemals als Einzelleistung, sondern nur im Team funktionieren kann. Neben der Theater-AG des Gymnasiums Petershagen sind das zum einen das Orchester, also unsere Theatermusik-AG, und der Chor, bestehend aus dem Jugendchor Tookula aus Minden, und dem Schulchor des Gymnasiums, zum anderen zwei Tanzgruppen für die Elfen Titanias und Oberons, eine Menge einsatzfreudiger Techniker, Maskenbildnerinnen, Kostümschneiderinnen, Bühnenbildplaner und -bauer, Plakatentwerfer, Kartenverkäufer und so weiter. Alles in allem kommen wir letztlich auf über 200 Mitwirkende.

Wie wurde geprobt?

Bei so vielen Mitwirkenden müssen die einzelnen Gruppen zunächst nur ihren eigenen Part proben – und zwar ziemlich lange, sonst würde zu viel Leerlauf in den Gesamtproben entstehen. Eigentlich arbeiten sich alle Mitwirkenden in ihren einzelnen Bereichen sternförmig auf einen Punkt zu – die Premiere. Die Hauptprobenphase ist daher kurz – aber heftig. Das befürchtete große Chaos am Schluss bleibt nur dann aus, wenn jeder genau weiß, was zu tun ist. Bisher war ich immer sehr glücklich, dass am Gymnasium Petershagen gerade in diesem Bereich eine große Arbeitsdisziplin herrscht. Jeder empfindet sich als Teil des Ganzen und weiß, worauf es ankommt. Dass wir dabei natürlich alle nicht auf die Uhr gucken dürfen, wenn es doch länger dauert als geplant, versteht sich von selbst. Würde dieser Arbeitseinsatz bezahlt werden müssen, würde ein solches Projekt niemals realisiert werden können. Ehrenamtliche Arbeit funktioniert hier reibungslos, und man sollte dieses Engagement gerade der angeblich „faulen” Jugend nicht hoch genug einschätzen. Gab es schon mal ein vergleichbares Projekt am Gymnasium? Ja, schon mehrere. „Frankensteins Erben” (2002), „Krabat” (1999), „Arsen und Spitzenhäubchen” (1996), „Momo” (1994) waren insofern vergleich bar, als dass auch dort ein eigens komponiertes Theater(musik)stück „uraufgeführt” wurde. Und es ist die dritte Zusammenarbeit mit dem „außerschulischen” Partner Thomas Wirtz, der auch diesmal die wundervollen Chorsätze zur Musik geschrieben hat und den Chor dirigiert. Nicht zu vergessen auch: über 13 Jahre arbeitete ich vertrauensvoll und gerne mit Rainer Hoock, unserem Theaterregisseur zusammen – diesmal aufgrund meines Wechsels zum Ratsgymnasium Minden leider zum letzten Mal. Noch andere „gute Geister” spielen eine wichtige Rolle: Arne Opitz zum Beispiel saß 1994 als Schüler bereits im „Momo”-Chor und ist nun beim „Sommernachtstraum” verantwortlich für die Tontechnik, so wie Klaus Merkel, der als weitgereister Jazzmusiker als „Sound”-Experte im Hintergrund wirkt – oder die erstaunliche Jösser Familie K0rte, aus der nicht nur alle Kinder, sondern auch die Eltern im Projekt wichtige und verschiedene Funktionen übernehmen, genauso wie die Generationen übergreifende „Frauenpower” von Anne, Johanna und Marlene Meyer… aber nun müsste ich noch Dutzende andere nennen, die mithelfen, dass das Publikum eine gelungene Aufführungen sehen kann. Ganz besonders freuen wir uns auf die Aufführung im Mindener Stadttheater am 31. März. Das wird für alle Beteiligten ein großes Abenteuer!

• Hinweis: Da die Karten für diese Vorstellung bereits zu einem guten Teil verkauft worden sind (Karten bei Musikhaus Rührmund, Juttas Laden und Tabakwaren Credo/ Petershagen), wird der eine oder andere sich aber vielleicht für Petershagen entscheiden (Aufführungen am 8. März, 10. März, 11. März um 19.30 Uhr sowie am 19. März um 17 Uhr, Reservierung unter (0 57 07) 4 40, montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr).

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