Das Leben in einem überwachten Kühlhaus

Logo-MTvom 13.02.2007

 

Theater-AG des Gymnasiums brilliert mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ / Einblicke in eine unbekannte Welt

McMurphy (Gerrit Schmidt, links) und Häuptling Bromden (Jan Kaczmarek) verspotten Schwester Ratched (Dana Sarina Bünemann). Foto: Matthias Fabritz

Von Marie-Louise Rasche-Hagemeier

Petershagen (rh). Die Theater-AG des Gymnasiums inszeniert mit der Dramenfassung „Einer flog über das Kuckucksnest“ Randle P. McMurphys größten Coup: seine Flucht ins Irrenhaus. Sie wird für ihn zu einer Gratwanderung zwischen Normalität und Wahnsinn.

„Ein Irrenhaus ist allemal besser als ein Knast“, glaubt der Draufgänger Randle P. McMurphy (brillant gespielt von Gerrit Schmidt) in der atmosphärisch dichten Umsetzung von Dale Wassermann nach dem Bestsellerroman von Ken Kesey, dessen Verfilmung von Milos Forman 1976 fünf Oscars erhielt. Um die beklemmende Intensität des Dramas darzustellen und die Spannung zwischen Bühne und Publikum bis zum Schluss aufrecht zu erhalten, hatten sich die 18 Schauspielerinnen und Schauspieler von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lübbecke beraten lassen.

Es sei eine Konfrontation mit einer unbekannten Welt gewesen, die eine nachhaltige Wirkung hinterlassen und als besondere Herausforderung gegolten habe, so die Akteure. Die langjährige Zusammenarbeit der Theater-AG mit der AG Bühnen- und Veranstaltungstechnik (Leitung: Wilhelm Korte), den Maskenbildnerinnen und den Regisseuren Kristina Voß und Rainer Hoock trug dazu bei, dass eine überzeugende Umsetzung gelang, die von Tragik und befreiendem Humor geprägt war.

Der steril weiße Bühnenraum, die verglaste Kontrollzentrale der psychiatrischen Abteilung und die karge Einrichtung empfängt den Zuschauer mit ganzer Kälte.

Macht und Wahnsinn der Gesellschaft

Der halluzinierende Häuptling Bromden (einfühlsam dargestellt von Jan Kaczmarek) mit seiner vogelähnlichen, meist lauernden Haltung entführt in die Welt der Psychiatrie, in der sich Macht und Wahnsinn der Gesellschaft verdeutlichen.

Unangefochten herrscht Schwester Ratched (in Dienstbeflissenheit und Kälte überzeugend dargestellt von Dana Sarina Bünemann) mittels Medikamenten und Gruppentherapie über die mehr oder weniger akut kranken Patienten: den mit sexuellen Komplexen beladenen Dale Harding (gentleman-like gespielt von Malte Stratmann), den infantilen, sympathischen Stotterer Billy Bibbit (eine sprachliche Glanzleistung von Jannes Tilicke), der seinen Mutterkomplex erst dann verliert, als er von der Prostituierten Candy Starr (anrüchig frivol verkörpert durch Marlene Meyer) „erlöst“ wird.

Auch der stets das Schlimmste befürchtende Bombenbastler Scanlon (Volker Schmidt), der leicht cholerische Cheswick (Eike Steffen Korte), der halluzinierende Martini (Theo Hockemeyer) und der chronisch kranke Ruckly (in seiner Wortkargheit und eindrucksvollen Gebärde gut gespielt von Marvin Schulze) und der stets rhythmisch zuckende Kittling (eine sportliche Leistung von Nils Gräfer) haben Angst davor, sich Schwester Ratcheds Anweisungen zu widersetzen, weil sie wissen, dass sie durch Elektroschocktherapie (von Philipp Braselmann fachmännisch ausgeführt) und Lobotomie, einer von Harding als „Kastration des Gehirns“ bezeichneten Operationsmethode, gefügig gemacht werden. Als trauriges Beispiel haben alle ihren Mitpatienten Ruckly täglich vor Augen.

Wie ein Orkan rauscht die lärmende, lebenslustige Spielernatur McMurphy in dieses graue, in sich geschlossene Ordnungssystem. Mit dem Schalk im Nacken und trockenem Humor, neugierig und warmherzig, tastet er sich vorsichtig heran und gewinnt die Freundschaft der Mitpatienten, die die Verlogenheit des Systems deutlich erkennen und mit ihm versuchen, dagegen zu rebellieren.

Eskalation und dramatisches Ende

Sie wehren sich gegenüber Schwester Flinn (in ihrer religiösen Verklemmtheit gut dargestellt von Sonja Prasse) und den brutalen Pflegern Warren und Williams (in ihrer versteckten Aggressivität trefflich verkörpert durch Kirsten Kästel und Andreas Mörhring). Die einzigen Lichtblicke in dieser Zwangswelt sind Dr. Spivey (sympathisch umgesetzt von Balthasar Hilker) und der Nachtwächter Turkle (Björn Gräfer als überzeugender Trinker), der für einen Tropfen Alkohol selbst eine verbotene Party organisieren hilft, die dazu beiträgt, dass das Geschehen eskaliert.

Tief bewegt vom dramatischen Ende spendete das Publikum lang anhaltenden Beifall für eine hervorragende Inszenierung. Weitere Aufführungen sind am Dienstag, 13. Februar, und Freitag, 16. Februar, jeweils um 19.30 Uhr und Sonntag, 18. Februar, um 17 Uhr. Karten sind im Sekretariat des Gymnasiums (Tel.: 0 57 07/ 4 40) und an der Abendkasse erhältlich.

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