Kopfschütteln bei Schülermehrheit

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vom 08.09.2012

 

Gymnasium reagiert auf FacebookAttacke / Miteinander stärken / Polizei ermittelt

Facebook ist für Schüler eine Oberfläche im Internet, um sich zu schreiben und zu diskutieren. Gymnasiasten aus Petershagen und Minden trieben es jedoch zu weit. MT-Fotomontage

Von Uwe Vinke

Petershagen/Minden (mt). „Solche Aktionen bringen das gute Verhältnis der Schülerschaft mit den Lehrern in Gefahr.“ Dies sagt der Vertreter der Schülermitverwaltung am Gymnasium Petershagen zu den Facebook-Attacken von Schülern gegen Lehrer. Inzwischen ermittelt auch die Polizei.

Die Schülerschaft werde an der Schule ernst genommen, in wichtige Entscheidungen eingebunden und sei in allen Konferenzen vertreten, so der Schülervertreter, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben möchte. Die Aktion sei auf drei Schüler des Gymnasiums begrenzt und habe beim größten Teil der Mitschüler nur Kopfschütteln erzeugt: „Die betroffene Jahrgansstufe hat sich deutlich von der Aktion distanziert“.

Auch Schulleiter Friedrich Schepsmeier verweist auf die gute Zusammenarbeit. Es gebe zudem drei Beratungslehrer, die für Konfliktfälle geschult seien, ergänzt Steffen Driftmann, Lehrer und Sicherheitsbeauftragter der Schule.

Diskussion läuft aus dem Ruder

Was war passiert? Ein Schüler hatte sich am ersten Schultag über den neuen Stundenplan mit geblocktem Nachmittagsunterricht geärgert. Seinen Ärger teilte er auf seiner Facebook-Seite mit. So begann unter den „Freunden“ der Seite eine schriftliche Diskussion, die sich immer weiter aufschaukelte und die Runde der Mitschreiber dabei größer wurde. Verschiedene Lehrer wurden in beleidigender Form diffamiert, gegen einzelne sogar Tötungsabsichten genannt. Darunter war auch ein Lehrer des Herdergymnasiums in Minden. Die Tötungshinweise kamen von vier Schülern, darunter drei vom Gymnasium Petershagen.

Einer Frau außerhalb der Schule fiel die Diskussion im Internet auf und sie informierte Schulleiter Friedrich Schepsmeier. Gemeinsam mit dem Sicherheitsbeauftragten Steffen Driftmann habe er vor dem Gespräch mit den Schülern Kriterien festgelegt: Gibt es eine direkte Gefahr?, Sind die Facebookprofile tatsächlich die Schüler?, Wer ist noch betroffen?.

Beide sahen keine akute Gefahr und erstatteten nicht sofort Anzeige. Inzwischen gibt es ein Strafverfahren, da betroffene Lehrer nach öffentlichen Kommentaren Anzeige erstattet haben. „Es wird wegen Bedrohung ermittelt, was Vernehmungen zur Folge hat“, erklärte Polizeipressesprecher Ralf Steinmeyer. Die Staatsanwaltschaft entscheide über das weitere Verfahren.

Das Verfahren in der Schule ist bereits abgeschlossen. Nachdem die drei Gymnasiasten der elften Jahrgansstufe in der Befragung ihr Tun zugegeben hatten, wurden die Eltern informiert. Trotz ausbleibender Anzeige hatte der Schulleiter doch die Polizei informiert und Birgit Thinnes vom Kommissariat Vorbeugung kam in die Stufenkonferenz: „Sie hat auch über die Nutzung von Facebook informiert“.

Entsprechend dem Schulgesetz hatte die Teilkonferenz „Ordnungsmaßnahmen“ über eine Maßregelung der drei Schüler zu entscheiden. Die Androhung der Schulentlassung wurde ausgesprochen, zudem sind die drei Schüler von der Studienfahrt ausgeschlossen. „Sie haben einen Schuss vor den Bug bekommen“, so der Schulleiter.

Nach dem Bericht im Mindener Tageblatt (30. August) wurde auf MT-Online ausführlich über die Aktion der Schüler und das Vorgehen der Schule diskutiert. Es gab 50 Kommentare, die sich sachlich, aber oft auch unsachlich mit dem Thema befassten.

„Ich hege keinen persönlichen Groll“, macht Schepsmeier deutlich, der selbst mit dem Tod bedroht worden war. Inzwischen hätten sich alle Schüler eindeutig entschuldigt, die Facebook-Diskussion sei aus dem Netz gelöscht.

Die Lehrer seien „geschockt“ gewesen, meint Jürgen Frank, Vorsitzender des Lehrerrates. Die Schüler hätten die sachliche Ebene der gemeinsamen Kommunikation verlassen: „Wir müssen das in der Schule vorhandene Miteinander weiter stärken.“

Hierzu soll der pädagogische Tag „Das Miteinander stärken“ im Februar beitragen. Lehrer, Schüler und Eltern wollen sich dann mit dem Schulklima befassen. Ein Thema könnte Cyber-Mobbing sein.

Cyber-Cops für das Gymnasium

Bereits ab der nächsten Woche werden im Gymnasium Cyber-Cops ausgebildet. Birgit Thinnes setzt das Projekt der Polizei um. Es war lange geplant und ist nun hochaktuell.

In den vergangenen Tagen war Facebook in vielen Klassen ein Thema. Lehrer sprachen mit den Schülern über die Nutzung des Internets, weiß Jürgen Frank: „Die Diskussion muss wieder in die Schule zurück“.

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