Kunst beschert Gymnasium neues „Herz“

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vom 04.07.2013

 

Gunnar Heilmann hat mit Lehrern und Schülern ein Konzept für die Außenanlagen erarbeitet / Prozesshafte Arbeit

Der Künstler Gunnar Heilmann hat die Neugestaltung am Gymnasium Petershagen in Gang gebracht. MT-Foto: Manfred Otto

Von Ursula Koch

Petershagen (mt). Kunst wird häufig missverstanden als das letzte Dekorationselement, das gesetzt wird, wenn ein neues Gebäude fertig ist. Ein Bild für die Wand oder, wenn es etwas teurer sein darf, auch mal eine Skulptur. Nach kurzer Zeit fällt die Kunst niemandem mehr auf. Genau so möchte der Mindener Künstler Gunnar Heilmann seine Rolle am Gymnasium Petershagen nicht verstanden wissen.

Seit drei Jahren ist er mit Lehrern, Schülern und gelegentlich auch Eltern tätig, um mit künstlerischen Mitteln zur „Sanierung des Geländes“ mit Gebäuden aus verschiedenen Epochen beizutragen. Den Anstoß gab vor vier Jahren der Neubau einer Mensa.

Als die Planungen 2009 begannen, unterrichtete Heilmann einige Stunden Kunst in Petershagen. „Die Schüler kritisierten, dass sie mit der Mensa die letzte Grünfläche auf dem Schulgelände verlieren“, erinnert sich Heilmann. Darüber sei die Idee entstanden, das Areal einer gründlicheren Bestandsaufnahme zu unterziehen. Um Heilmann bildete sich mit dem stellvertretenden Schulleiter Dr. Eberhard Hagemeier und den Lehrern Sabine Brokate und Hans Luckfiel eine Arbeitsgruppe. Die kam zu einem vernichtenden Urteil: Das Gebäudeensemble ist unübersichtlich, der Schulhof eher Durchgangszone, das Gelände erscheint unzusammenhängend. „Wir erkannten die Erfordernis einer grundlegenden Veränderung in ziemlich aussichtsloser Lage“, formuliert Heilmann. Aussichtslos darum, weil für Umgestaltungen kein Geld zur Verfügung stand. Gemeinsam entwickelten sie eine Vision, die vielfältige Nutzungen des Geländes möglich macht. Fest stand, dass das Ganze als Prozess betrachtet werden sollte, der in Zusammenarbeit mit Schülern, Lehrern, Eltern und der Stadt umgesetzt wird. Finanziert wurden die Arbeiten vom Förderverein der Schule und Sponsoren. Drei Mal gab es auch Mittel aus dem Landesprojekt „Kultur und Schule“.

Der Bauch muss noch ein wenig warten

Petershagen ist für Heilmann nicht das erste Projekt an einer Schule. Mit seinem Kollegen Uli Kügler hat er eine ebenfalls prozesshaft angelegte Arbeit am Ratsgymnasium Minden begonnen. Gemeinsam haben sie für ihre Gestaltungen an der Laborschule Bielefeld und in Lübbecke Wettbewerbe gewonnen.

Startpunkt in Petershagen war ein vom Schulhof abgekoppeltes Areal vor dem Lehrerzimmer. „Es war im Gespräch, dass hier Fahrradständer aufgestellt werden sollten“, erinnert sich Luckfiel. Heute gliedern eine Holzterrasse, die sich wie eine künstliche Landschaft hebt und senkt, sowie Mauern aus Sandstein das Areal in unterschiedliche Zonen. Sie werden als grünes Klassenzimmer, Aufenthalts- oder Rückzugsort genutzt. „In der Schule hat der Nutzungsgedanke oft die oberste Priorität. Hier war aber der künstlerische Grundgedanke entscheidend und das macht den Unterschied“, lobt Brokate. Dieser Ort, der nicht Pausengelände ist, werde ganz selbstverständlich von Schülern wie Lehrern genutzt.

An der Realisierung dieses Areals hätten sowohl Schüler wie Lehrer und Eltern mitgewirkt. Auch Schulamt und Bauhof unterstützten das Projekt. „Unser Wunsch ist, dass alle Kinder in allen Jahrgangsstufen ein Mal im Jahr etwas für die Schule tun“, erläutert Brokate. Aus dieser Grundidee heraus werde der sechste Jahrgang in kleinen Gruppen einmal im Schuljahr zu einer halben Stunde Gartenarbeit angehalten. „Mehr Arbeit ist es nicht mehr“, betont Brokate. Daraus rekrutiert sich eine Garten-AG, die sich beispielsweise um Anpflanzungen wie ein Kräuterbeet für die Mensa kümmert. Die Biologie wünsche sich ein Feuchtbiotop.

Für Heilmann ist dieser Bereich das „Herz“ des Geländes. Als Nächstes solle das „Gesicht“ der Schule zur Hauptstraße entstehen. Der Weg zwischen Mensa und öffentlichem Parkplatz ist mit Buchenhecken abgegrenzt worden. So ist vor der Mensa eine Terrasse mit Tischen und Stühlen entstanden. Die Werbegemeinschaft habe der Schule von sich aus Unterstützung angeboten, weil sie die Maßnahmen als positiv für das Stadtbild ansehe, hebt Luckfiel hervor. Sie habe das Geld für die Pflanzen gestiftet.

Das „Gesicht“ soll ab Herbst vervollständigt werden. Der Bauch, sprich Schulhof, werde noch einige Zeit brauchen. Fünf bis sechs Jahre rechnet Heilmann noch, bis der angestoßene Prozess abgeschlossen ist.

Eine Betonterrasse, ein Weg und etwas Rasen – so präsentierte sich das Gelände vor der Umgestaltung. Foto: pr

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